Ritter Adalberts Sohn Karl ist Knappe geworden und nimmt heute zum ersten Mal an einem Turnier teil. Seine Schwester Burghilde sitzt mit der Mutter und den anderen Gästen auf der Tribüne und schaut zu.
Plötzlich hören sie einen lauten Schrei. „Hilfe!“, schreit eine Stimme. Die Gäste stehen auf, um zu sehen, was passiert ist. In diesem Moment kommt Karl schreiend aus einer Ecke gerannt. Die Leute setzen sich wieder hin, aber Karls Mutter läuft zu ihm und fragt: „Was ist passiert?“ Da antwortet dieser: „Das Pferd, und ich wollte doch nur…“ „Ganz ruhig“, sagt die Mutter, „und ganz langsam!“ Karl fährt fort: „Ich wollte Vater die Lanze bringen, doch ich habe sie wohl zu nah am Pferd vorbei getragen. Da hat es mich getreten.“
Kaum hat Karl zu Ende erzählt, hören sie erneut einen Schrei: „Die Stute ist verrückt“, schimpft eine Stimme. Dann sehen sie, dass wütend und fluchend ein alter Mann angerannt kommt, der einen großen Sack auf dem Rücken trägt. „Haltet den Dieb“, schreit eine Stimme und Karls Vater läuft auf den Platz. „In dem Sack ist die wertvolle Ehrenmedaille!“.
Der alte Mann wurde rot, streitet aber mit energischem Kopfschütteln alles ab. Doch als der König seine Wachen losschickt, versucht er zu fliehen. Karl rennt hinter ihm her und als der Alte über die Schlossmauer will, hält er ihn am Fuß fest und zieht ihn herunter.
„Der Dieb ist gefasst!“ ruft Ritter Adalbert laut. Die Leute klatschen und der König überreicht dem flinken Knappen Karl eine Tapferkeitsmedaille. Der Dieb aber wird eingesperrt und das Turnier kann beginnen.                                                                                                                                                      

Ronja Clasen

Der Medaillendieb